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Um die Zulassung zur Reifeprüfung zu erlangen, verfasste Despoina Afroditi am 15. März 1939 einen Lebenslauf. Die folgenden Archivdokumente zeigen den Lebenslauf, die Reifeprüfungsaufsätze im Fach Deutsch und Neugriechisch, sowie die Reifeprüngsarbeit im Fach Mathematik als auch das Gutachten der Schülerin Despoina Afroditi:

✎  Transkript: Sophia Dorn, Chrysanthi Dellas-Grivas, Mario Triantafyllou

Lebenslauf - Transkript des Lebenslaufs:

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Athen, den 15.März 1939

Hiermit bitte ich zur Zulassung der Reifeprüfung.

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Athen, den 15.März 1939

Lebenslauf

Ich, wurde am 5 Januar 1920 als Tochter des Kaufmanns Xenophon und seiner Ehefrau Maria, geb…. in Smyrna in Kleinasien geboren. Ich besitze die griechische Staatsangehörigkeit und bin griechisch orthodoxen Glaubens.

Im Alter von zwei Jahren, 1922, fuhr ich mit meiner Mutter und meinen Geschwistern in die Schweiz, wo wir uns für 11 Jahre in Lausanne ansiedelten. Dort lernte ich die französische Sprache , die zu meiner zweiten Muttersprache wur-

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de und die ich vollkommen beherrsche.

In Lausanne erhielt ich meinen ersten Unterricht auf einer Privatschule, die ich vier Jahre lang besuchte. Im Alter von 10 Jahren ging ich auf die dortige Volksschule, wo ich aber nur drei Jahre blieb, da ich 1933, mit dreizehn Jahren, mit meiner Familie nach Athen fuhr.

Meine ersten Kenntnisse der deutschen Sprache habe ich auf der Volksschule in Lausanne erhalten. Darum hatte ich in Athen ein weiteres Jahr deutsche Privatstunden, und so konnte ich 1934, mit vierzehn Jahren, auf die deutsche Schule in Athen kommen, deren Klassen ich von der Untertertia bis zur Oberprima besuchte.

Juni 1938 bestand ich mein griechisches Abitur mit “gut”.

Nach meinem Abitur gedenke ich mich mit dem Studium der modernen Fremdsprachen weiterhin zu befassen.

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Das Gutachten der Lehrer

Despoina-Afroditi, Griechin, wurde am 5.Januar 1920 geboren. Bis 1933 lebte sie in Lausanne, dann kam sie nach Athen und auf unsere Schule.

Sie ist in ihrer Denkweise stark französisch beeinflusst. Ihre innere Stellung zum Deutschtum ist nicht klar; in politischen Fragen nimmt sie gern eine kritische Haltung an. Kritisch zu sein ist allerdings wohl ein herrschender Zug zu ihrem Wesen überhaupt. Sie ist geistig über ihr Alter hinaus gereift.- Sprachlich ist sie sehr begabt und stark interessiert. Auch im naturwissenschaftlichen Unterricht liegen ihre Leistungen über dem Durchschnitt.

In ihrem Verhalten wirkte Unausgeglichenheit früher oft störend, sie ist jedoch ruhiger und zurückhaltender geworden.

Transkript des Reifeprüfungsaufsatzes: Deutschaufsatz Reifeprüfung 1939 „Ein Volk sein, heisst: Eine gemeinsame Not empfinden“ (Lagarde)

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Deutschaufsatz Reifeprüfung 1939

„Ein Volk sein, heisst: eine gemeinsame Not empfinden“ (Lagarde)

Das Vaterland ist einer der grössten Werte, die der Mensch überhaupt besitzt. Ich glaube kaum, dass es einen deutschen gibt, der nicht stolz und froh, sich als ein Teil seines Volkes zu fühlen; Ich sage „fühlen“, denn die Vaterlandsliebe hat, meiner Ansicht nach, mit dem Verstand nichts zu tun, sie quillt einfach aus dem Herzen hervor, man weiss weder warum noch wie. Der Mensch muss allerdings etwas haben, dass ihn seine Seele erfüllt, etwas, woran es mit seinem ganzen

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Wesen hängt. Wie er den Bruder in seinem Leben braucht, den Freund, die Geliebte, so braucht er auch unbedingt das Vaterland; ich würde sogar sagen (,) es gibt kaum ein ,tragische (re)s Schicksal, als das eines Menschen, der sich zu garkeinem Land zu bekennen weiss. Was heisst nur aber Vaterland, was heisst Volk? Ich weiss, dass es die verschiedensten Begriffe Aussagen darüber gibt. Einige denken, gemeinsame Sprache, Grenzen oder auch gemeinsame Kultur seien das Ausschlaggebende für das Wesen eines Volkes. So kühl und verstandesmäßig kann man diese Frage durchaus nicht beantworten. Man kann nicht einfach sagen: hier läuft die Grenze, also, muss hier die Scheide zwischen dem und dem Volk sein, oder sogar: die und die

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Leute sprechen die selbe (dieselbe) Sprache, müssen infolgedessen einem und dem selben Volke angehören. Wenn es so wäre, dürfte eigentlich kein Minderheitenproblem für Deutschland bestehen, es dürfte auch keine Nationalitätenstaaten geben, um nur einige Beispiele zu nennen. Das ist aber wohl nicht der Fall. Die dritte Aussage, dass nämlich die gemeinsame Kultur die Grundlage ist, worauf sich ein Volk aufbaut und dass sie eben das Wesen dieses Volkes bildet, ist allerdings richtig. Noch viel schärfer aber(,) hat Lagarde das Wesen des Volkes charakterisiert, indem er sagt: „Ein Volk sein, heisst: Eine gemeinsame Not empfinden.“ Lagarde geht nicht verstandesmässig vor, sondern ganz und gar nach dem Gefühl,

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und darin hat er eben (R/r)echt. Die Liebe zum Vaterland ist keine Sache der Vernunft, Liebe und Vernunft verhalten sich schlecht mit einander. (Sind schwer miteinander in Einklang zu bringen). Die Vaterlandsliebe ist ein tiefes und grosses Gefühl; selbst der einfachste Mensch, der gänzlich ungebildete, hängt an seinen(seinem) Vaterland und setzt alles ein, es zu verteidigen. Bei dem einfachsten Menschen sogar(,) ist diese Vaterlandsliebe etwas so (s/S)elbstverständliches, das mit seinem Wesen so eng verknüpft ist, dass sie ihm(dass er sich ihrer) oft nicht bewusst ist. Sobald sich aber eine Gelegenheit zeigt, wenn sein Land in Not kommt oder gedroht(bedroht) wird, so wird in ihm, fast instinktmässig, könnte man sagen, das Gefühl der Liebe wach, und er vergisst alles andere über diese (über dieser seine) Liebe. Sie ist es, die ihm

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die Kraft zu heroischen Taten gibt, ihm den Weg zu grossen Opfern zeigt. Die Not hat ihm sein Vaterland erschlossen. Was das Vaterland und was das ganze Volk leidet, muss jeder einzelne Mensch empfinden, der zu dieser grossen Gemeinschaft zu einem und dem selben (demselben) Volk gehört; denn Liebe heisst unter anderem (auch) mitempfinden, vor allem mitleiden und Verständnis haben. Man fühlt sich eben so unzertrennlich von dem geliebten Wesen, dass es kaum etwas gibt, dass es rühren kann, ohne uns auch zu gleicher Zeit zu rühren. Die Tatsache nun, dass jeder einzelne Mensch die Not des Vaterlandes so empfinden muss, als ob es die seine wäre, ist das, was das Wesen des Volkes am allerbesten bezeichnet. Das Volk ist

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eine Einheit, ein grosses unzertrennbares Gebilde, und jeder einzelne Mensch ist ein Teil dieser grossen Einheit. Ein Beispiel, das uns von dieser Tatsache leicht überzeugen kann, ist das Beispiel des deutschen Volkes. Man kann mit dem besten Willen nicht sagen, dass das gesamte deutsche Volk innerhalb der Grenzen des Reiches wohnt, es gibt starke Minderheiten in vielen Ländern Europas und auch in anderen Erdteilen. Ist es nun so, dass diese Deutschen(,) ausserhalb ihres Vaterlandes(,)zu Freunden geworden sind, dass sie in das(dem) fremde(fremden) Volk aufgegangen sind?  Nein, meistens haben sie ganz und gar ihr Volkstum erhalten, sie fühlen sich als Deutsche, wissen, dass sie ein Vaterland haben, dass sie mit ihren besten Kräften verteidigen wollen(,)

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wenn es irgendwie in Not kommt. Sie nehmen an das (dem) Leben ihres Volkes teil, freuen sich, wenn es sich freut, trauen (trauern, trauert), wenn es traut (trauert). Das Bewusstsein, dass sie auch ihr (ihrem) Vaterland nahe stehen, macht sie stark und tatkräftig, denn, wie alle höhere (höheren) Werte im Leben, ist das Vaterland derjenigen unter anderem, der den Menschen unterstützen und weiter bringen kann, wenn es uns richtig liebt und anerkennt.

Beurteilung des Lehrers Nordmann

Geschlossener Aufbau folge richtige Gedankenführung und klare Ausdrucksweise sind die Vorzüge des Aufsatzes. Die vielen grammatikalischen Fehler am Schluss setzen das Urteil wesentlich herab (im Entwurf ist der Schluss kürzer und weist nicht so viele Fehler auf).

Note : Genügend

Unterschrift: Nordmann

Die Klausurenleistungen waren genügend.

Transkript des Reifeprüfungsaufsatzes im Fach Mathematik 1939

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Reifeprüfung 1939

Mathematische Arbeit

  • Über dem Augenblick des Sichtbarwerdens eines Meteors konnte ein Athener Beobachter ausser der Angabe des Tages und der Tageszeit (21. Juni, nachmittags) noch die weitere Aussage machen, dass zu der Zeit der Beobachtung die Schatten der Baumstämme in der vom SW. nach NO. führende Strasse, in die (der) er ging, in die Richtung der Strasse gefallen seien. Bestimme die genaue Zeit der Beobachtung! 𝛷 = 37°58′
  • Berechne mit Hilfe der Moivrische Formel die Lösungen der Gleichung z=… Die  Lösungen sind in der Gauss’schen Zahlebene darzustellen.

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  • Wie gross ist die jährliche Prämie, die ein 30-jähriger zu zahlen hat, um im Alter von 50 Jahren eine Summe von 160 000 zu erhalten? -Die Formel für die Versicherung durch jährliche Prämienzahlungen auf dem Erlebensfall ist herzuleiten.
  • Das Dionisos-Theater in Athen hat 20 erkennbare Sitzreihen; sie sind halbkreisförmig und konzentrisch angedeutet. Ihre Breite beträgt 0,80 m. der Radius der innersten Reihe ist 13,60 m. Wie viele Personen fanden in diesem Theater Platz, wenn man für jeden Sitz eine Länge von 0,60 m zu Grunde legt?

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Reifeprüfungsaufsatz der Schülerin Despoina Afroditi im Fach Neugriechisch 1939 Thema: Γερμανία / Ελλάς τα σημεία της επαφής των δυο λαών εν τη νεώτερα ιστορία.

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Deutsche Schule Athen

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