2019: Eine Reise durch die Zeit…

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04 April 2019

Eine Reise durch die Zeit

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„Die Welt der Jugendlichen im Dokumentarfilm“, durch einen spannenden Workshop mit Dimitra Kouzi, Filmemacherin, Journalistin und Initiatorin des Internationalen Dokumentarfilm Festival für Kinder und Jugendliche erhalten wir erste Einblicke in das Genre Dokumentarfilm. In den Filmworkshops sind wir nicht nur Zuschauer, sondern auch Akteure. Aliki berichtet über den Workshop in Athen und über ihre Erfahrungen in Distomo.

✎   Beitrag: Aliki Portosalte

Eine Reise durch die Zeit. Distomo: Eine Begegnung, die wir nie vergessen werden.

Ein weiteres Jahr, in dem die Distomo-DSA-Schülerbegegnung stattfindet. Eine Chance zum Kennenlernen, Zusammenarbeiten und Freundschaften knüpfen. Eine Gelegenheit, unterschiedliche Familiengeschichten auszutauschen. Der erste Teil der Schülerbegegnung fand im Februar in Athen statt.

Erstes Kennenlernen in Athen

Es begann mit gegenseitigem Kennenlernen durch kleine Spiele: Träume, Wünsche, alles konnte man teilen. Intensive Gespräche fanden unter den SchülerInnen der beiden Schulen zum Thema des Treffens statt, wobei es sehr oft um das Distomo-Massaker und die deutsche Schuld ging. Fragen wurden von beiden Seiten gestellt. Wie soll sich die jüngere Generation diesem dunklen Kapitel deutscher Geschichte, diesen grauenhaften Verbrechen annähern, wie erinnern oder gedenken? Wie denkt die junge Generation in Distomo über das schwierige Erbe? Schuld, Versöhnung…. Nicht nur wir sind den Distomo-Schülern nähergekommen, sondern wir sind uns auch als Klasse näher- gekommen.

Bildquelle: Schülerbegegnung DSA-Lyzeum Distomo 2019

Am 1. Mai 1944 wurden in Kessariani 200 politische Gefangene des berühmt berüchtigten KZ Chaidari exekutiert. Das jüngste Opfer deutscher Massenhinrichtungen in Kessariani war der erst 14-jährige Schüler Andreas Likourinos. Da die Anlage geschlossen war, konnten wir nur vor der Gedenkstätte unsere Lesung durchführen. Wir lasen einen Auszug aus dem Zeitzeugeninterview mit Eleni Georganta-Savvatianou, die damals selber erst 18 Jahre alt gewesen ist und aufgrund ihrer Widerstandstätigkeit Gefangene des KZ Chaidari war. Dort beobachtete sie die Selektion der Männer und deren Abtransport für die Exekution. Die Worte der Augenzeugin bezeugen den Schrecken und die Menschenverachtung der deutschen Besatzungszeit.

Worum ging es thematisch?

Das Thema der diesjährigen Schülerbegegnung war eng mit der Filmkunst verbunden: Kino, Filmen, Fotografie… Wie können wir, 15-und 16-jährige, uns dadurch ausdrücken? Wir lernten neue Medien kennen, führten Interviews durch, nahmen an Workshops teil. Es war unser erster Kontakt mit dem Genre der Dokumentarfilme. Über Kurzfilme schafften wir es, die Geschichte mit der siebten Kunst zu kombinieren. Die Filmausschnitte machten uns nachdenklich. Wirken Dokumentarfilme für Jugendliche interessanter? Könnte die nächste Generation auf diese Art und Weise interaktiver und spannender Geschichte lernen?

Rückbesuch in Distomo

Der April ist gekommen. Wir sind an der Reihe, nach Distomo zu fahren. Im Bus spielt Musik, während die griechische Landschaft an uns vorüberzieht. Die Schule in Distomo befindet sich auf einem Hügel. Die Bibliothek besitzt eine große Auswahl von Büchern: Kazantzakis, Kariotakis, Seferis. Aber nicht nur griechische Schriftsteller sind dabei, auch Goethe, Schiller und T. Mann. Es ist ein Zeichen dafür, dass man sich für deutsche Literatur interessiert.

Bildquelle: Schülerbegegnung DSA-Lyzeum Distomo 2019

Die Last der Vergangenheit

Jetzt ist die Zeit gekommen, über unser eigentliches Thema zu sprechen. Nachdem wir die Erzählungen der Überlebenden des Massakers, der Urgroßväter und Urgroßmütter der Schüler aus Distomo gehört haben, diskutieren wir über Schuld, Versöhnung und Reparationszahlungen. Obwohl die Diskussion neutral anfängt, wird sie sehr intensiv. Das ist verständlich, denn man kann einem Thema gegenüber nicht neutral bleiben, wenn es einen persönlich betrifft. Einige der Schülerinnen und Schüler aus Distomo erzählen, dass sie damals Familienmitglieder verloren haben. Die persönliche Last ist spürbar.

Bildquelle: Schülerbegegnung DSA-Lyzeum Distomo 2019

Persönliche Erfahrungen und Lehren

Der Distomo-Ausflug hat uns viel gelehrt. Er hat uns gelehrt, zuzuhören und uns gegenseitig zu respektieren. Wir haben Erfahrungen gesammelt, an die wir uns unser ganzes Leben lang erinnern werden. In zwei Jahren werden wir unseren Abschluss machen und uns wahrscheinlich nicht wiedersehen. Deshalb spielt dieser Ausflug so eine große Rolle für uns. Er hat uns aber auch als Klasse nähergebracht. Deswegen danken wir persönlich Frau Wiesinger dafür, dass sie uns diese Chance gegeben hat.