2014: Kinder des Krieges

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07. Juni 2014

Kinder des Krieges

2014
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Täglich begegnen wir ihnen im Fernsehen, den flüchtenden, verletzten, bewaffneten und getöteten Kindern. Bilder, bei denen viele lieber wegsehen, weil sie das Leid und die Not der Kinder nicht ertragen, weil die Ungerechtigkeit, die den Kindern widerfährt zum Himmel schreit. Hilflos sind sie dem Hass und der täglichen Gewalt ausgesetzt, sehen und erleben Dinge, die nicht für Kinderaugen bestimmt sind und tiefe psychische Wunden hinterlassen.

Die Welt ist leider nicht besser, friedlicher und gerechter geworden. Schon vor 70 Jahren hat der 2. Weltkrieg Kinder einem unaussprechlichen Leid ausgesetzt, sie entwurzelt, ihrer Eltern beraubt. Viele SchülerInnen aus Distomo erzählen vom Schicksal ihrer Großeltern. Das bikulturelle Theaterprojekt „Kinder des Krieges“ rückt das Schicksal der Kinder von damals und der Kinder von heute ins Zentrum der thematischen Auseinandersetzung der Schülerbegegnung beider Schulen.

Das Video zeigt einen kurzen Ausschnitt der Szenischen Lesung, die unter der Leitung des österreichischen Theaterregisseurs Martin Scharnhorst im Amphietheater unterhalb der Gedenkstätte in Distomo uraufgeführt wurde. +

✎ Beitrag: Vasiliki Karanassou, stellvertretende Schulleiterin des Lyzeums Distomo

Eindrücke von der Aufführung der szenischen Lesung „Kinder des Krieges“

Am 8. Juni fand die Aufführung „Kinder des Krieges“, die in enger Zusammenarbeit mit Schülern der ersten Klasse des Lyzeums in Distomo zusammen mit Schülern der Deutschen Schule Athen entstanden war, im Theater des Mausoleums von Distomo statt. Die „Kinder des Krieges“ waren das Thema der szenischen Lesung, ein Thema, das tragischerweise auch 70 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges, noch immer aktuell ist. Wie die Theateraufführung deutlich zeigte, betrifft diese Problematik nicht nur vereinzelte Gebiete oder unzivilisierte oder unterentwickelte, weit von uns entfernt liegende Länder, sondern grundsätzlich und global die ganze Menschheit. 

Bildquelle: Fotoarchiv Schülerbegegnung DSA-Lyzeum Distomo 2014

In Form der Projektarbeit beschäftigten sich die Schüler ein ganzes Jahr hindurch mit Kindern im Krieg, dabei recherchierten und beschäftigten sie sich sowohl historisch, chronologisch als auch geographisch mit den Folgen der Kriege, unter denen Kinder weltweit in verschiedenen Ländern leiden müssen. Mit aller Deutlichkeit verwiesen die Schüler auf die aktuelle Situation auf das “Heute“, das „Hier und Jetzt“, weil sie das sehr unmittelbar berührte. Die Ergebnisse und Erkenntnisse ihrer ganzjährigen Auseinandersetzung setzten die Schüler unter der Leitung und Regie von Martin Scharnhorst in eine Theateraufführung um. Die Aufführung fand in Distomo im Rahmen des 70- jährigen Gedenkens an die Opfer des Massakers durch die Nationalsozialisten am 10. Juni 1944 statt.

Bildqelle: Foto, C. Enzmann, Schülerbegegnung DSA-Lyzeum Distomo 2014

Die szenische Lesung, an der Vertreter der deutschen Botschaft sowie deutscher Vereinigungen und Stiftungen, die Bürgermeister der Märtyrerstädte, viele Ehrengäste und natürlich auch die Eltern der Schüler beider Schulen teilnahmen, fand großen Anklang und ein sehr positives Echo. Unterhalb der imposanten Kulisse des Mausoleums von Distomo, in einer besonderen, emotional ergreifenden und geladenen Atmosphäre, stellten die Schüler mit sehr viel Authentizität, Sensibilität und Gespür für Menschlichkeit das Leid jener Kinder, die unter Kriegen zu leiden haben, dar.

Bildquelle: Foto, C. Enzmann, Schülerbegegnung DSA-Lyzeum Distomo 2014

Die Zuschauer belohnten die Bemühungen der Schüler mit einem großartigen Applaus, vielen Glückwünschen und Worten der Wertschätzung. Die bedeutsamste und für alle Beteiligten wichtigste Rückmeldung aber war die der Überlebenden, die selber einst Kinder des Krieges waren, die Verbrechen und Gräuel selbst miterleben mussten. Aufgrund dieser Tatsache waren sie für die Schüler die maßgeblichen Personen, deren positives Urteil sie am meisten schätzten. Alle Zuschauer waren sehr gerührt und gleichzeitig auch nachdenklich. Auch Tage nach der Aufführung wurde noch von der Veranstaltung geredet, eine Tatsache, die uns schlussfolgern lässt, dass wir unser angestrebtes Ziel erreicht haben: Unsere Stimmen zur Anklage und zum Nachdenken zu erheben über die katastrophalen Folgen des Krieges für seine erbärmlichsten Opfer, nämlich: DIE KINDER!

Bildquelle: Foto, C. Enzmann, Schülerbegegnung DSA-Lyzeum Distomo 2014